Japanisch

"Wenn Du an einen fremden Ort kommst, versuche Dich nach dessen Sitten zu richten." (chinesisches Sprichwort)

Japanisch wird von über 120 Millionen Japanern gesprochen, die hauptsächlich auf den 4 japanischen Hauptinseln Honshu, Hokkaido, Kyushu und Shikoku leben. Doch auch in den ehemals besetzten Gebieten sprechen noch manche Menschen Japanisch (Taiwan, Korea, Marianen, Karolinen). Japanische Auswanderer, die Ihrer Muttersprache und Tradition sehr verbunden sind, finden sich auf Hawaii, in Nordamerika, in Brasilien und anderen Ländern Südamerikas.

Viele denken, dass Japanisch und Chinesisch verwandte Sprachen sind, dies ist jedoch nicht der Fall. Auch mit der Sprache der Ureinwohner der japanische Inseln, den Ainu, weist die Sprache keinerlei Ähnlichkeiten auf. Überhaupt kann man sagen, dass die Herkunft der Sprache und der Menschen Japans noch heute ungeklärt ist. Es gibt jedoch einige Vermutungen, die aber leider noch nicht bewiesen wurden. So schließen Sprachwissenschaftler eine Verwandtschaft zum Koreanischen nicht aus. Kritiker argumentieren mit der engen Verbindung beider Länder und tippen bei den Übereinstimmungen nicht auf Verwandtschaft sondern auf Wortentlehnungen aus der jeweils anderen Sprache.

Eine weitere Theorie ordnet Japanisch der altaischen Sprachfamilie (Türkisch, Uzbekisch, Aserbaidschanisch, Mongolisch, Mandschurisch) zu. Hier fallen vor allem die strukturellen Ähnlichkeiten auf. Alle Sprachen dieser Sprachfamilie besitzen z. B. keine Artikel und keinen Genus.

Eine weitere Gruppe von Sprachforschern sieht in der japanischen Sprache eine Mischsprache aus altaischen und austronesischen (Indonesisch, Polynesisch) Elementen, wobei sich die grammatikalischen Strukturen der altaischen Ursprache und die lexikalischen Strukturen der austronesischen Ursprache durchgesetzt haben sollen.

Grammatik
Die japanische Sprache gehört zum agglutinierenden Sprachtyp. Wie z. B. das Türkische werden im Japanischen grammatikalische Funktionen an den Wortstamm angehängt.

Shimasu bedeutet tun, ist also die Gegenwartsform des Verbs. Die Vergangenheit bildet man, indem man statt masu mashita an den Verstamm anhängt, also shimashita. 

Im Regelfall gibt es keine grammatikalische Person, die ist praktisch im Verb integriert und muss vom Kontext abgeleitet werden.

Miru ist der Infinitiv von sehen. Mimasu ist die Gegenwartsform und heißt ich/du/er/sie/es/wir/ihr/sie sehen.

Auch eine Mehrzahl gibt es nicht, dies wird durch die Anzahl der Dinge bestimmt und wenns halt zwei sind dann ist das schon eine Mehrzahl. es gibt aber auch hier einen haken, nämlich die Zählwörter, die man auch im Chinesischen findet. Diese kleinen Wörter treiben jeden Lernenden auf die Palme, weil man eventuell nicht versteht, wieso man einen Stift denn nun anders zählen muss als einen Teller. Auch schwierig ist die Lautanpassung beim Buchstaben h, aus dem dann aufgrund der Lautharmonie ein p oder ein b wird. (Wer mehr wissen möchte, Email genügt)

Papier, Teller, Karten

mai

Stöcke, Stifte, Bäume, Zigaretten

hon (pon, bon)

Bücher, Hefte

satsu

Tassen

hai (pai, bai)

Autos, Züge

dai

Eine weitere Eigenart der japanischen Sprache ist die Fülle an Partikeln. es gibt insgesamt 60 häufig gebrauchte Partikel, die 188 verschiedenste Funktionen übernehmen können. Viele Partikel sind also multifunktionell und müssen gelernt werden, um ein verständliches und korrektes Japanisch sprechen zu können. Wird ein falscher Partikel benutzt, kann sich die gesamte Bedeutung des Satzes verändern. 

Aussprache
Erst mal muss ich hier mit einem weit verbreiteten Vorurteil aufräumen: Japaner sind in der Lage, ein r zu sprechen, die Chinesen können das nicht. Dafür können die Japaner kein l, das wird bei denen zu r.

Die Standardsprache in Japan ist der Tokyo-Dialekt. Es gibt recht viele regionale Dialekte bei denen Aussprache und Wortschatz etwas variieren. Die japanische Aussprache ist im Vergleich zum Chinesischen sehr einfach und gut zu lernen, erfordert jedoch ein bisschen Übung.

Die Buchstaben i und u neigen grundsätzlich zum Schwund, d.h. sie werden nicht voll ausgesprochen und nur "angehaucht".

shimasu (tun) - wird NICHT wie in raSUr ausgesprochen, sondern noch kürzer als in Suppe, das sh wie ein sch sprechen
watashi (ich) - wa wird ausgesprochen wie ua, i wieder halbwegs verschlucken
tokyo - gesprochen wie tokjo
fuji - j wird gesprochen wie dsch

Herkunft der Wörter
Es gibt hier 3 verschiedene Wortgruppen.

1. Rein japanische Wörter, die häufig der Alltagssprache zugeordnet werden können. Man nennt diese Wörter Wago (Harmonie + Sprache). Beispiele für rein japanische Wörter sind yama (Berg), ie (Haus), onna (Frau) und sakura (Kirsche). Wenn man den Klang der Sprache erst einmal im Ohr hat erkennt man diese Wörter an den Silben, die im Wort verwendet werden und die sich von den anderen Wortgruppen unterscheiden.

2. Die größte Gruppe ist die der Kango (Zeichen für Han-Chinesen und Sprache), also der sinojapanischen Wörter, die mit der Übernahme der Schriftzeichen aus China nach Japan gelangten. Sie machen heute 60% des Wortschatzes aus, jedoch wurden sie der japanischen Sprache angepasst und klingen nicht mehr im geringsten chinesisch.

3. Die kleinste Gruppe (ca. 25 000 ) sind die aus europäischen Sprachen übernommenen Wörter, sie sind aber wohl am "lustigsten" weil teilweise noch erkennbar. Trotzdem gibt es eineige Wlrter die durch phonetische Adaption fast unkenntlich sind und die man vielleicht mit viel Fantasie wiedererkennen kann. Die meisten Wörter die auch im Alltag gebraucht werden, stammen aus dem Portugiesischen, Spanischen, Englischen und Holländischen. Diese Länder hatte über längere Zeit intensiven Handelskontakt mit Japan.

pan

 - 

Brot

kohi

 - 

Kaffee

tabako

 - 

Tabak

biru

 - 

Bier

bata

 - 

Butter

knaifu

 - 

Messer

ryukkusakku

 - 

Rucksack

Technische und naturwissenschaftliche Begriffe haben englische Lehnwörter und werden einfach phonetisch übernommen und in die Sprache integriert.

enerugi

 - 

Energie

erebeta

 - 

Aufzug

konputa

 - 

Computer

Interessant ist wohl auch, dass sehr viele medizinische Begriffe aus dem Deutschen stammen, da anfangs Deutschland für japanische Studenten erste Adresse für ein Medizinstudium war. So gibt es z. B. herutsushumerutsu. (Wer rausfindet, was es ist bitte melden!!!)

Es gibt auch Wörter, deren Bedeutung sich bei der Übernahme in die japanische Sprache geändert hat, wie z. B. arubaito (Arbeit im Sinne von Nebenverdienst, meist Studentenjob) und karute (Karteikarte, medizinisch).

Sprachebenen  
Ein Eigenart der japanischen Sprache, die sich für Langnasen recht schwierig gestaltet, da man sich zur Benutzung der richtigen Sprachebene mit der japanischen Hierarchie und Tradition auskennen muss. darum empfiehlt es sich auch für den Ausländer, immer sehr höflich zu sein und immer die neutrale Form zu benutzen....naja ok für Männer ist das wieder so eine Sache.

Es gibt also 3 verschiedene Hauptebenen der Sprache, nämlich die männliche, neutrale und weibliche Ebene. Entscheidend ist die Stellung innerhalb der Gesellschaft, der Firma oder der Familie, was jedoch immer gilt ist der Grundsatz, dass man sich selbst herunterspielt und den anderen ehrt. Es braucht jede Menge Sprachgefühl und Intuition um so etwas halbwegs zu meistern. Die Japaner sind jedoch den Rundaugen gegenüber recht nachsichtig.

Gut zurück zu den drei Hauptebenen. Nicht nur, dass Frauen grundsätzlich höflicher zu sein haben (naja besser als ständig rumzubellen), nein auch das Vokabular unterscheidet sich extrem voneinander. Hier der Satz "Bitte sprich langsamer":

Neutral: Yukkuri (langsam) hanashite (sprechen, höfliche Form) kudasai (bitte)
Frau: O (Höflichkeitspartikel) hanashi (Rede, Sprache, wieder höflich) ni natte (langsam werden) ne (nicht wahr)
Mann: Hanshite (rede) kure (kurz, Aufforderung, die nur von Männern gebraucht wird)

Sogar das kleine Wörtchen "ich" ist unterschiedlich

neutral: watakushi
Frau: watashi
Mann, boku, ore

Hier ist recht interessant, dass es als Provokation aufgefasst wird, wenn eine Frau von sich als ore oder boku spricht.

 Schrift  
Es gibt im Japanischen 3 verschiedene Schriftsystem, also nicht nur eine Art Schriftzeichen. Diese 3 Schriften heißen Hiragana, Katakana und Kanji. geschrieben wird traditionell von rechts nach links und von oben nach unten. In Zeitungen sieht man aber auch die bei uns übliche Schreibweise von links nach recht uns von oben nacht unten, in Zeilen geschrieben.

Natürlich ist es auch möglich Japanisch mit "normalen" Buchstaben zu schreiben, hierfür benötigt man grade mal 22 Buchstaben! Wer jetzt aber sofort sagt, dass die dann doch gleich so wie wir schreiben sollen, der denkt wohl nicht richtig nach. Die Schrift gehört zur japanischen Sprache und ist ein Teil der Kultur der Japaner. Außerdem finde ich sie faszinierend und bildhaft.

Beispiel für einen Satz mit den 3 Schriftsystemen:
Textbeispiel 

konputa de kanji o kaku (Ich schreibe am Computer Kanji)
1. Katakana, 2. Hiragana, 3. Kanji, 4. Hiragana und 5. Kanji und Hiragana kombiniert (Verb). 

1. Hiragana
Silbenschrift, die im 9. Jahrhundert aus den Kanji entwickelt wurde. Man wollte die Schrift vereinfachen. Es ist möglich, Japanisch komplett in Hiragana zu schreiben, was vor allem bei Kinderbüchern auch getan wird. Oft werden schwierigere Kanji auch in Hiragana geschrieben, um die Aussprache klar zu machen. Hiragana werden vor allem für grammatische Elemente oder rein japanische Wörter verwendet. Durchschnittlich 50 % eines Textes bestehen aus Hiragana.

2. Katakana
Ebenfalls eine Silbenschrift, die jedoch später aus den Hiragana heraus entwickelt wurde. Man benutzt Katakana nur zum Schreiben von ausländischen Namen und Fremdwörtern. Hier gibts eine Liste der Katakana und Hiragana.

3. Kanji

Kanji

Den Japanern fehlte eine eigene Schrift und so wurden im 4. Jahrhundert chinesische Schriftzeichen über Korea importiert. Diese stimmen mit den heutigen chinesischen Langzeichen überein. Jedoch gingen die ursprüngliche Bedeutung und Aussprache verloren und wurden an die japanische Sprachtradition angepasst. Ein Chinese kann also nicht automatisch Japanisch lesen und umgekehrt.

Nach dem 2. Weltkrieg gab es in Japan 1946 eine Schriftreform, die die Anzahl der unbedingt zu lernenden Kanji auf 1945 festsetzte. Diese Joyo-Kanji reichen jedoch nur grade so aus, eine Zeitung lesen zu können und wer Bücher oder Fachliteratur verstehen möchte muss weiterlernen. Gebildete Wissenschaftler bringen es wie ihre Kollegen auf circa 5000 bis 8000 Kanji. Im Wörterbuch sind aber bis 55 000 Kanji zu finden. Während der 6jährigen Grundschulzeit müssen die Schüler 881 Kanji lernen und beherrschen.
Kanji werden benutzt, um den bedeutungstragenden Teil der Wörter oder den Verbstamm darzustellen. Auch die meisten sinojapanischen Wörter werden mit Kanjis geschrieben. 

Jedes Kanji hat eine japanische Grundaussprache, die allerdings je nach Wortart, Kontext und Funktion in Satz variieren kann. Hinzu kommt eine oder mehrere sinojapanische Aussprachen, die dem Chinesischen entlehnt sind.

In der Regel werden alleinstehende Kanji japanisch ausgesprochen, als zusammengesetzte Wörter jedoch sinojapanisch. Darum heißt der bei uns als Fujiyama bekannte Berg in Japan Fujisan. das Zeichen Yama (Berg) wird nur alleinstehend yama gelesen, zusammen mit anderen Kanji jedoch san. Korrekt heißt es also Fujisan. Ein weiteres Beispiel ist das Zeichen für Mensch. Alleinstehend heißt dies hito, zusammengesetzt jedoch jin z.B. als Japaner nihonjin.
Die 1945 Joyo-Kanji haben übrigens 4000 verschiedene Lesungen.

Man kann bei den Kanji wie bei den chinesischen Schriftzeichen zwischen 3 Gruppen unterscheiden.

1. Piktogramme
Bildzeichen, die Gegenstände darstellen, es gibt nur relativ wenige dieser Piktogramme z. B. das Zeichen für Frau: onna

2. Ideogramme
Kombination verschiedener Piktogramme, hier wird der Sinn dargestellt. 3 Bäume bedeuten Wald, die Sonne hinterm Baum steht für Osten oder die Kraft auf der Feld bedeutet Mann: otoko. Es gibt recht viele dieser Ideogramme.

3. Phonoideographische Zeichen
Dies wurden aufgrund ihrer phonetischen Übereinstimmung mit japanischen Begriffen übernommen. Dadurch kam es natürlich zu einer Bedeutungsänderung der chinesischen Schriftzeichen.

Wörterbuch 
Funktioniert wie gewohnt, meist steht hinter der Aussprache auch das jeweilige Zeichen. Sucht man aber nach Zeichen und deren Aussprache bzw. Bedeutung, wird's schwieriger und vor allem etwas zeitaufwendiger. es gibt 3 Möglichkeiten, ein Zeichen aufzuspüren:

1. Radikalsuche
Es gibt insgesamt 214 (erweitert 224) sogenannte Radikale. Dies sind die Hauptbestandteile des Zeichens, die ihm "Sinn" geben. Es kann jedoch ebenso sein, dass das Zeichen an sich ein radikal ist, dies ist häufig bei sehr einfachen Zeichen mit wenig Strichen der Fall.  Wer das Radikal gefunden hat (Übung macht den Meister) findet nun unter der jeweiligen Radikalnummer eine Liste der Zeichen, die das jeweilige Radikal beinhalten. Diese Liste muss man jetzt durchsuchen, dahinter steht eine Nummer unter der man die Bedeutung und Aussprache dann im Hauptteil des Wörterbuches nachschlagen kann. 

2. Strichanzahl
Die nächste Möglichkeit ein Schriftzeichen im Wörterbuch zu finden ist die Anzahl der Striche. Hierfür muss man das Zeichen natürlich schreiben können und wissen, welche Striche einzeln und welche kombiniert gezählt werden. Hier zwei Beispiele, bei denen die blauen Striche als ein Strich gelten:

Strichanzahl Strichanzahl

3. Aussprache
Das klappt natürlich nur, wenn man einen Japaner parat hat, der einem das Zeichen mal kurz vorlesen kann. Dann schlägt man unter der entsprechenden Aussprache nach. Geordnet sind die Aussprachen meistens nach dem uns bekannten Alphabet.

 

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Der Weidenzweig wird durch die Last des Schnees nicht gebrochen.